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Forschung

Die Forschungsschwerpunkte am Lehrstuhl liegen auf der kognitiven und sozial-kognitiven Entwicklung in den ersten Lebensjahren, insbesondere auf Lernen und Gedächtnisprozessen.
Dies sind einige spezifische Themen, mit denen wir uns aktuell beschäftigen:

Obgleich Säuglinge und Kleinkinder den größten Teil ihrer Zeit schlafend verbringen, war bis vor kurzem wenig darüber bekannt, welche Auswirkungen Schlaf auf frühkindliches Lernen und Erinnern hat. Einige aktuelle Studien haben nun gezeigt, dass Schlaf bereits in den ersten Jahren unterschiedliche Gedächtnisprozesse unterstützt. Aufbauend auf diesen Befunden untersuchen wir, ob Schlaf auch die Selektivität und Qualität des Erinnerns beeinflusst.

Publikationen:

Konrad, C., Dirks, N. D., Warmuth, A., Herbert, J. S., Schneider, S., & Seehagen, S. (2019). Sleep-dependent selective imitation in infants. Journal of Sleep Research, 28, e12777. doi: 10.1111/jsr.12777

Seehagen, S., Konrad, C., Herbert, J. S., & Schneider, S. (2015). Timely sleep facilitates declarative memory consolidation in infants. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 112, 1625-1629. doi:10.1073/pnas.1414000112

Das Medienangebot für Kinder ist in den letzten Jahrzehnten rasant gestiegen: Tablets, Smartphones, Fernseher und Co bieten viele spezielle Angebote für jüngere und ältere Kinder. Die Grenzen und Möglichkeiten von Mediennutzung in den ersten Lebensjahren sind noch nicht umfassend erforscht. Bekannt ist beispielsweise aber bereits, dass es Säuglingen und Kleinkinder schwerer fällt, neue Dinge durch Imitation aus Medien im Vergleich zu sozialen Interaktionen zu lernen. Wir erforschen, was es Kleinkindern erleichtern könnte, durch Medien angebotenes Wissen auf reale Gegebenheiten zu übertragen.

Publikationen:

Seehagen, S., & Herbert, J. S. (2011). Infant imitation from televised peer and adult models. Infancy, 16, 113-136. doi:10.1111/j.1532-7078.2010.00045.x

Seehagen, S., Schneider, S., Miebach, K., Frigge, K., & Zmyj, N. (2017). „Should I or shouldn’t I?“ Imitation of undesired versus allowed actions from peer and adult models by 18- and 24-month-old toddlers. Infant Behavior and Development, 49, 1-8. doi: 10.1016/j.infbeh.2017.06.001

Erfahrungen in den ersten Lebensjahren gelten als weichenstellend für die langfristige menschliche Entwicklung. Wachsen Kinder unter stresserzeugenden Bedingungen auf, hat dies unter anderem auch Konsequenzen für ihre kognitive Entwicklung. Wir untersuchen, wie potentiell stresserzeugende Lebensumstände mit der Art und Weise zusammenhängen, wie flexibel Kleinkinder mit veränderten Anforderungen in Lernaufgaben umgehen.

Publikationen:

Seehagen, S., Schneider, S., Rudolph, J., Ernst, S., & Zmyj, N. (2015). Stress impairs cognitive flexibility in infants. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 112, 12882-12886. doi:10.1073/pnas.1508345112

 

Zmyj, N., Schneider, S., & Seehagen, S. (2017). Fifteen-month-old infants’ cortisol levels decrease after a 30-min-warm-up procedure. Psychoneuroendocrinology, 76, 11-13. doi: 10.1016/j.psyneuen.2016.11.010.

Schwangerschaft und Geburt bringen viele Veränderungen und Herausforderungen mit sich, die manchmal belastend sein können. Wenn das Wohlbefinden von Müttern beeinträchtigt ist, kann sich dies auch auf Aspekte des kindliche Verhalten auswirken. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die Tendenz zum repetitiven negativen Denken hierfür ein bedeutsamer zugrundeliegender Mechanismus könnte. Wir möchten diese Zusammenhänge weiter untersuchen und Ansatzpunkte für Interventionen identifizieren.

Publikationen:

Müller, D., Teismann, T., Hirschfeld, G., Zmyj, N., Fuths, S., Vocks, S., Schneider, S., & Seehagen, S. (in press). The course of maternal repetitive negative thinking at the transition to motherhood and early mother-infant interaction: Is there a link? Development and Psychopathology. doi.org/10.1017/S0954579418000883

Schmidt, D., Seehagen, S., Hirschfeld, G., Vocks, S., Schneider, S., & Teismann, T. (2017). Repetitive negative thinking and impaired mother-infant bonding: A longitudinal study. Cognitive Therapy and Research, 41, 498-507. doi:10.1007/s10608-016-9823-8

Die entwicklungspsychologische Forschung hat gezeigt, dass Säuglingen, die jünger als 6 Monaten alt sind, verschiedenste Gesichter voneinander unterscheiden können. Mit 9 Monaten zeigen Säuglingen jedoch, dass ihre Gesichterwahrnehmung abgestimmt ist auf die Gesichter, die sie häufig sehen. Wir möchten diese spannende Entwicklung besser verstehen und fragen uns, ob sich die Wahrnehmung von Gesichtern anderer Kinder zwischen Säuglingen mit und ohne Geschwister unterscheidet.